Geschichte

2004
Erste Messy Church nahe Portsmouth / Südengland
2004
2005
Filmclip, Verbreitung durch die Fresh X Bewegung
2005
2009
Auch auf den Falklands gibt es Messy Church
2009
2010
402 Messy Churches registriert
2010
2011
Deutsches Messy Church-Buch: „Überraschungskirche“
2011
2013
1873 Messy Churches sind registriert
2013
2015
Kliederkerk startet als holländische Version
2015
2017
Messy Church does science: Versuchs-Stationen
2017
2018
Abstimmungsprozess: „Kirche Kunterbunt“ als Name
2018
2019
Bundesweites Kirche Kunterbunt-Projekt startet
2019

So jung ist Kirche Kunterbunt 

2004 wurde Kirche Kunterbunt als Messy Church in Südengland geboren. Heute gibt es 5000 solcher Initiativen in über 30 Ländern. Aber immer noch versprüht die Bewegung pubertären Charme in einer sehr seriösen kirchlichen Welt. 

An der Wiege dieser neuen Form von Kirche stand Lucy Moore, eine leidenschaftliche und kreative Religionspädagogin. Sie prägt bis heute die Bewegung. 2004 suchte sie mit ihrem Team in St. Wilfrid’s, nahe Portsmouth, nach einem neuen Weg. Lassen sich Kinder mit der frohen Botschaft erreichen – zusammen mit ihren Eltern, Onkeln oder Omis? Ein schönes Gebäude hatten sie ja in dieser anglikanischen Gemeinde. Aber es stand meistens leer. Und ihr Vorort hatte durchaus einige sozialen Probleme. Mehr Miteinander und mehr Gemeinschaft, könnte ihre Gemeinde dafür was tun? Bisher bot die Kirche nichts, was die Familien vor Ort wirklich reizte. 

Eine Handvoll kreativer Leute beschloss das zu ändern. Sie experimentierten mit kreativen Stationen, mit einer Aktiv- und Feierzeit für alle Altersgruppen. Und natürlich: es musste was zum Essen geben. Die erste Messy Church war geboren.

Zeitgleich begann in England 2004 die „fresh expressions of church“-Bewegung. Das Fresh X-Team war von der Messy Church -Idee begeistert und verbreitete sie über „Visiondays“ und durch einen ersten Clip. Da Lucy Moore damals schon für die Bible Reading Fellowship (BRF) arbeitete, wurde BRF zur Träger-Organisation für die Bewegung, die sich rasch ausbreitete. Schulungen, „Fiestas“ und runde Tische brachten lokale Initiatoren zusammen, „regional coordinators“ wurden eingesetzt und viele Ressourcen entstanden, bis hin zu einer eigenen Zeitschrift. 

In über 30 Ländern

Messy Church verbreitete sich rasend schnell in unterschiedlichen Denominationen, zunächst vor allem im englischsprachigen Raum. Kirchenhistoriker sehen heute teilweise eine Parallele zur Ausbreitung der Sonntagsschul-Bewegung ab 1770. Inzwischen gibt es auch in den Niederlanden (Kliederkerk) und in skandinavischen Ländern eine sehr vitale und wachsende Bewegung.

Dieses weltweite Netzwerk in mehr als 30 Ländern zu unterstützen ist herausfordernd, auch finanziell. Aber auch inhaltlich gibt es spannende Weiterentwicklungen. Projekte wie „Messy Church does science“ (wissenschaftliche Versuche für Grundschüler mit biblischem Bezug) oder „Messy discipleship“ (Glaubenspraxis für zuhause und für den Alltag) setzen neue Akzente. 

Auch erste Ableger gibt es inzwischen. „Messy Vintage“ wendet sich an ältere Menschen und „Sweaty Church“ bietet eine sportliche Variante. Die grundlegenden Werte und Praktiken aber bleiben: gastfreundlich zu sein, kreativ, fröhlich feiernd, generationenübergreifend und christuszentriert. 

Und in Deutschland?

Auch in Deutschland wurden Gemeinden auf Messy Church aufmerksam. 2011 erschien das erste Buch von Lucy Moore unter dem Titel „Überraschungskirche“. Susanne Paul, eine Pastorin in der Landeskirche Hannovers, schrieb nicht nur das Vorwort, sondern setzt seit Jahren das Konzept auch jeden Monat in Burgdorf bei Hannover um.

Recherchen 2018 ergaben, dass die Messy Church-Idee unter einem Dutzend origineller Namen praktiziert wird. Meist mit viel kreativer Energie, aber leider oft nur als Quartals-Event, seltener mit der Vision eines neuen Beziehungsnetzwerkes und einer „fresh expression of church“.  Neben Überraschungs- und Ü-Kirchen finden sich Tohuwabohu- Wusel- oder Chaos-Kirchen. Oder das Format fingiert unter Abenteuerzeit, Farbklecks und anderen Wortschöpfungen. Verglichen mit anderen Ländern war die deutsche Bewegung aber bisher klein.

Unter dem Dach von „Fresh X Netzwerk e.V.“ startete 2017 eine kleine Initiative im Ev. Jugendwerk in Württemberg (EJW), um Messy Church auch im deutschen Sprachraum stärker zu verbreiten. In einem Abstimmungsprozess schälte sich „Kirche Kunterbunt“ als gemeinsamer Name für die Bewegung heraus. Pippi Langstrumpf ist in deutschen Kinderzimmern recht präsent und verkörpert zudem viel vom „spirit“ der Bewegung. Das freche Mädchen mit den waagrecht abstehenden Zöpfen bringt auch bei Erwachsenen etwas zum Klingen. So unbekümmert, so abenteuerlustig wären sie auch gerne mal wieder. Geht das auch in Sachen „Glaube“? 

Im Frühjahr 2019 erschien ein weiteres Buch zu „Kirche Kunterbunt“. Finanziert durch eine katholische und eine amerikanische Stiftung konnte zeitgleich ein kleines Team starten um regional Unterstützung und Vernetzung anzubieten, zunächst in Bayern, Württemberg, Baden, Westfalen und Berlin. Ein kleines bundesweites Büro im EJW kümmert sich um Öffentlichkeitsarbeit, Ressourcen, Überzeugungsarbeit und die Gesamt-Koordination. Mit wenig Ressourcen, aber mit einer großen Vision soll auch in Deutschland eine konfessions-übergreifende Bewegung entstehen. 

Warum nicht das Pferd vom Balkon holen und quer durch die kirchliche Landschaft reiten? Warum nicht „religiös Unmusikalische“ und Skeptiker mit einer frischen Form von Kirche überraschen? Kirche Kunterbunt kann einen Raum bieten, um zwanglos den christlichen Glauben neu zu entdecken.

Bleib am Ball!

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